Die richtige Drehzahl an der Drechselbank
Die Drehzahl hängt am Durchmesser: Je dicker das Werkstück, desto schneller ist sein Rand unterwegs, auch wenn die Spindel gleich schnell dreht. Deshalb laufen Stifte mit mehreren Tausend Umdrehungen und große Schalen mit wenigen Hundert.
Drehzahl in U/min mal Durchmesser in Zoll soll zwischen 6.000 und 9.000 liegen. Ein Werkstück mit 20 cm Durchmesser läuft also mit etwa 760 bis 1.140 U/min, eines mit 30 cm mit etwa 510 bis 760 U/min. Unrunde und nasse Rohlinge beginnst du am unteren Ende oder darunter.
Der Drehzahl-Rechner
Schieb den Regler auf den größten Durchmesser deines Werkstücks. Bei einer Schale ist das der Rand, nicht der Fuß.
Bei unrundem Rohling immer mit dem unteren Wert anfangen.
| Durchmesser | von U/min | bis U/min |
|---|---|---|
| 5 cm | 3.050 | 4.570 |
| 10 cm | 1.520 | 2.290 |
| 15 cm | 1.020 | 1.520 |
| 20 cm | 760 | 1.140 |
| 25 cm | 610 | 910 |
| 30 cm | 510 | 760 |
| 40 cm | 380 | 570 |
| 50 cm | 300 | 460 |
Woher die Faustregel kommt
Entscheidend für das Drechseln ist nicht, wie oft sich die Spindel dreht, sondern wie schnell das Holz am Eisen vorbeiläuft. Diese Umfangsgeschwindigkeit wächst mit dem Durchmesser. Ein Werkstück mit 30 cm Durchmesser legt bei jeder Umdrehung einen dreimal so langen Weg zurück wie eines mit 10 cm. Läuft es mit derselben Drehzahl, ist sein Rand dreimal so schnell.
Die Regel "Drehzahl mal Zoll zwischen 6.000 und 9.000" hält diese Randgeschwindigkeit in einem Bereich, in dem das Eisen sauber schneidet und das Werkstück noch beherrschbar bleibt. Sie stammt aus dem englischsprachigen Raum, daher die Zoll. Zum Umrechnen teilst du die Zentimeter durch 2,54: 25 cm sind knapp 10 Zoll, also 600 bis 900 U/min.
Der Bereich ist absichtlich breit. Den unteren Wert nimmst du für alles, was unrund, schwer, nass oder rissig ist, und für die ersten Versuche. Den oberen Wert für ausgewuchtete, trockene Werkstücke, wenn du die Maschine und das Holz kennst.
Im Zweifel langsamer. Eine zu niedrige Drehzahl kostet dich etwas Oberfläche, eine zu hohe kann einen Rohling von der Maschine reißen.
Unrunde und nasse Rohlinge
Ein Rohling direkt von der Bandsäge ist nie ganz rund und nie gleichmäßig schwer. Jede Unwucht zerrt mit wachsender Drehzahl stärker an Spindel, Futter und Maschinenbett. Die Faustregel gilt für runde Werkstücke, für einen kantigen Klotz liegst du darunter.
- Kantige oder stark unrunde Rohlinge: Beginn unter dem unteren Wert der Tabelle, bei 30 cm also mit 300 bis 400 U/min, und dreh erst rund. Erst wenn das Werkstück ruhig läuft, gehst du hoch.
- Nasses Holz: Frisch geschlagenes Holz ist schwer, und das Wasser ist nicht gleichmäßig verteilt. Ein nasser Rohling wiegt leicht das Doppelte eines trockenen und hat zusätzlich Unwucht, auch wenn er rund aussieht. Bleib am unteren Ende.
- Rinde, Risse, Äste: Lose Rinde und Risse sind Stellen, an denen Teile abfliegen können. Hier gilt der untere Wert, egal wie rund das Stück ist.
Anlaufen: die Reihenfolge, die Ärger erspart
- Vor dem Einschalten die Drehzahl auf das Minimum stellen. Zur Gewohnheit machen, auch wenn die Maschine gerade erst mit 2.000 U/min gelaufen ist.
- Werkstück von Hand eine volle Umdrehung drehen. So siehst du, ob eine Ecke an der Handauflage anschlägt.
- Handauflage nah heran, etwa 5 bis 10 mm Abstand zur weitesten Ecke.
- Einschalten, kurz beobachten. Wackelt die Maschine oder wandert sie, bleibst du auf dieser Drehzahl oder gehst runter.
- In Schritten hochregeln, bis die Maschine anfängt, unruhig zu werden, und von dort ein Stück zurück. Bei Riemenstufen heißt das: auf der langsamsten Stufe rund drehen, dann umlegen.
Spindeldrehen und Querholz
Beim Drechseln unterscheidet man, wie die Fasern im Werkstück liegen. Das ändert nicht die Faustregel, aber den Spielraum.
| Spindeldrehen (Langholz) | Querholz (Schalen, Teller) | |
|---|---|---|
| Faserrichtung | Parallel zur Drehachse | Quer zur Drehachse |
| Typische Werkstücke | Griffe, Stuhlbeine, Kerzenständer, Stifte | Schalen, Teller, Dosendeckel, Untersetzer |
| Gespannt | Meist zwischen den Spitzen | Im Spannfutter oder auf der Planscheibe, nur einseitig gehalten |
| Drehzahl | Oberer Bereich möglich, solange das Werkstück nicht schwingt | Eher unterer bis mittlerer Bereich, große Durchmesser |
| Typisches Problem | Lange, dünne Teile federn und rattern | Unwucht, Ausrisse im Hirnholz an zwei Stellen pro Umdrehung |
Bei langen, dünnen Spindeln ist nicht die Randgeschwindigkeit das Problem, sondern die Schwingung. Ein Stab mit 2 cm Durchmesser und 40 cm Länge beginnt bei hoher Drehzahl zu peitschen, die Oberfläche bekommt Rattermarken. Hier hilft es, langsamer zu drehen, die Körnerspitze nicht zu fest anzuziehen und das Werkstück mit der freien Hand oder einer Lünette zu stützen.
Bei Querholz wechseln sich pro Umdrehung zweimal Langholz und zweimal Hirnholz ab. Das Eisen schneidet also ständig gegen eine andere Faserrichtung. Eine etwas höhere Drehzahl macht den Schnitt hier oft sauberer, aber nur, solange der Rohling ruhig läuft.
Stifte und kleine Durchmesser
Für sehr kleine Durchmesser gibt die Faustregel Werte aus, die keine Hobbymaschine erreicht: Ein Kugelschreiber mit 2 cm Durchmesser käme auf 7.600 bis 11.400 U/min. In der Praxis begrenzt hier die Maschine. Die meisten Drechsler drehen Stifte mit 2.000 bis 3.000 U/min, und das reicht für eine glatte Oberfläche, wenn das Eisen scharf ist. Mehr zum Ablauf beim Kugelschreiber drechseln.
Schleifen und Oberfläche
Zum Schleifen nimmst du die Handauflage weg und regelst die Drehzahl herunter, eher unter die Drehzahl, mit der du gedreht hast. Bei hoher Drehzahl wird das Schleifpapier heiß, setzt sich zu und verbrennt die Oberfläche, und Hitze erzeugt im Holz feine Risse. Bei großen Schalen reichen oft 300 bis 500 U/min.
Ausnahme ist das Polieren mit Wachs oder Schellackpolitur: Hier brauchst du gerade die Reibungswärme, deshalb läuft die Maschine schneller. Die richtigen Mittel und ihre Drehzahlen stehen auf der jeweiligen Packung.
Woran du eine falsche Drehzahl erkennst
| Was du merkst | Vermutlich | Was du tust |
|---|---|---|
| Maschine vibriert, wandert, Werkbank brummt | Zu schnell für die Unwucht | Runter, bis es ruhig läuft, dann rund drehen |
| Wellenmuster, Rattermarken | Zu schnell bei dünnem Werkstück oder Handauflage zu weit weg | Langsamer, Auflage näher, Werkstück stützen |
| Ausgerissene Fasern, raue Stellen | Zu langsam oder Eisen stumpf | Erst schärfen, dann etwas schneller |
| Eisen hakt ein, Werkstück bleibt hängen | Oft Technik, verstärkt durch hohe Drehzahl | Langsamer, Eisen mit aufliegender Fase ansetzen |
| Schleifpapier wird heiß, Brandflecken | Zu schnell beim Schleifen | Drehzahl halbieren, wenig Druck |
Ausgerissene Fasern haben übrigens häufiger mit einem stumpfen Eisen zu tun als mit der Drehzahl. Wie du deine Eisen wieder scharf bekommst, steht unter Drechseleisen schärfen.
Wenn deine Maschine nicht langsam genug kann
Viele einfache Tischmaschinen beginnen erst bei 500 bis 800 U/min. Für Schalen bis etwa 20 cm reicht das, für größere Rohlinge ist es zu schnell. Das ist eine harte Grenze: Größere Rohlinge auf einer Maschine ohne niedrige Drehzahl lässt du besser sein. Worauf du beim Kauf achtest, steht im Ratgeber zur Drechselbank, und wer gebraucht kauft, prüft den unteren Drehzahlbereich mit der Checkliste für gebrauchte Maschinen.
Ein Spannfutter hat übrigens eine eigene Höchstdrehzahl, die der Hersteller angibt. Sie gilt zusätzlich zur Faustregel, und der niedrigere Wert gewinnt. Mehr dazu bei den Spannfuttern und dem übrigen Zubehör.
Häufige Fragen
Welche Drehzahl für eine Schale mit 25 cm?
Nach der Faustregel 600 bis 900 U/min. Ist der Rohling noch unrund oder nass, fang mit 300 bis 400 U/min an und geh hoch, wenn er rund und ruhig läuft.
Wie rechne ich die Drehzahl für die Drechselbank aus?
Teil den Durchmesser in Zentimetern durch 2,54, das ergibt Zoll. Dann teilst du 6.000 und 9.000 durch diesen Wert. Das Ergebnis ist der Drehzahlbereich in U/min.
Welche Drehzahl zum Kugelschreiber drechseln?
Die meisten drehen Stifte mit 2.000 bis 3.000 U/min. Die Faustregel ergäbe für 2 cm Durchmesser mehr, als Hobbymaschinen erreichen.
Mit welcher Drehzahl schleift man beim Drechseln?
Langsamer als beim Drehen. Hohe Drehzahl macht das Schleifpapier heiß und kann das Holz verbrennen oder feine Risse erzeugen. Bei großen Schalen reichen 300 bis 500 U/min.
Ist eine höhere Drehzahl beim Drechseln besser?
Nur bis zu einem Punkt. Eine etwas höhere Drehzahl gibt bei runden, trockenen Werkstücken eine glattere Oberfläche. Bei Unwucht, Rissen oder nassem Holz ist sie gefährlich.