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drechselwissen

Drechseleisen schärfen

Ein scharfes Drechseleisen schneidet, ein stumpfes drückt und reißt. Den Unterschied hörst du, du siehst ihn an den Spänen, und du spürst ihn in den Händen. Schärfen ist deshalb keine Nebensache, sondern gehört zu jeder Stunde an der Drechselbank.

Kurz gesagt

Drechseleisen werden am Schleifbock oder am Nassschleifer geschliffen, am besten mit einer Vorrichtung, die den Winkel festhält. Als Ausgangspunkt gelten etwa 40 bis 50 Grad für die Schruppröhre, 45 bis 60 Grad für die Schalenröhre und rund 30 Grad Keilwinkel für den Meißel. Hartmetall-Wendeplatten werden nicht geschliffen, sondern gedreht oder getauscht.

Warum scharfe Eisen sicherer sind

Mit einem stumpfen Eisen drückst du stärker gegen das Holz, um überhaupt Späne zu bekommen. Genau dieser Druck ist das Problem: Gibt eine Faser nach oder trifft die Schneide auf einen Ast, schnellt das Eisen vor und hakt ein. Ein scharfes Eisen braucht kaum Druck, die Fase gleitet auf dem Holz, du führst statt zu schieben. Dazu kommt die Oberfläche. Ein stumpfes Eisen reißt die Fasern bei Hirnholz heraus, und diese Ausrisse bekommst du nur mit viel Schleifpapier wieder weg. Mehr zum sicheren Arbeiten steht unter Sicherheit beim Drechseln.

Schleif, bevor das Eisen stumpf ist, nicht erst, wenn es nicht mehr schneidet.

Anschliffwinkel als Orientierung

Für Drechseleisen gibt es keine Norm, nur bewährte Bereiche. Ein spitzerer Winkel schneidet leichter, hält aber kürzer und hakt schneller ein. Ein stumpferer Winkel ist robuster und verzeiht mehr, verlangt aber, dass du das Heft tiefer hältst. Fang mit den mittleren Werten an und ändere erst, wenn du einen Grund dafür hast.

Werte nach den unten verlinkten Fachquellen, keine feste Vorschrift
EisenWinkel (Ausgangspunkt)Schliffform
Schruppröhre (englisch)45 bis 50°, möglich 40 bis 60°Gerader Schliff, rechtwinklig zur Achse
Schruppröhre (kontinental, flach)um 40°Gerader Schliff
Spindel- und Formröhre25 bis 40°, häufig um 45° bei VorrichtungenFingernagelschliff
Schalenröhre45 bis 60°, für tiefe Schalen auch steilerFingernagelschliff
Meißel (schräg)Keilwinkel ca. 30° gesamt, also 15° je Seite; Hartholz bis 35°Beidseitig, 70° an der langen Spitze

Woher die Werte stammen: Der Drechsler Reinhold Ege schleift englische Schruppröhren bei 45 bis 50 Grad, kontinentale um 40 Grad, und hält 40 bis 60 Grad für brauchbar. Für den schrägen Meißel nennt er einen Keilwinkel von etwa 30 Grad, bei hartem Holz 35 Grad, und eine Schräge von 70 Grad an der langen Spitze. Das Drechslermagazin gibt für die Spindelformröhre 25 bis 40 Grad an und weist darauf hin, dass die Angaben für Schalenröhren je nach Schliff von 45 bis über 70 Grad reichen. Der Fachhändler Drechselbedarf Schulte stellt seine Vorrichtung für den Fingernagelschliff auf 60 Grad bei Schalenröhren und 45 Grad bei Spindel- und Formröhren ein.

Schleifbock, Nassschleifer oder Vorrichtung?

VerfahrenWie es arbeitetStärkeSchwäche
SchleifbockTrocken, 2.850 bis 3.000 U/min, Langsamläufer um 1.450 U/minSchnell, formt neue Schliffe in MinutenHitze, Funkenflug, Hohlschliff
NassschleiferWasserbad, um 90 bis 120 U/minKein Ausglühen, sehr feine SchneideLangsam beim Formen, teurer
SchleifvorrichtungHält das Eisen im gleichen Winkel an der ScheibeWiederholbar, wenig StahlverlustEinrichten kostet anfangs Zeit

Der Schleifbock ist die übliche Wahl in der Drechselwerkstatt. Er arbeitet schnell, und du schleifst zwischendurch in einer halben Minute nach. Standardgeräte laufen mit 2.850 bis 3.000 U/min, das Drechslermagazin empfiehlt höchstens 1.700 U/min, ideal um 1.500. Viele Drechsler tauschen außerdem die grauen Normalkorund-Scheiben gegen Edelkorund oder CBN.

Der Nassschleifer dreht einen großen Stein langsam durch ein Wasserbad. Das Eisen wird nicht heiß, die Schneide wird sehr fein. Dafür dauert es, wenn du einen Schliff komplett neu formen willst. Manche Drechsler kombinieren beides: am Schleifbock grob formen, am Nassschleifer nachschärfen.

Die Vorrichtung ist bei beiden Systemen der eigentliche Gewinn. Für den Schleifbock ist das Wolverine-System von Oneway verbreitet, ein V-Arm mit Aufsatz für den Fingernagelschliff, den es etwa bei Drechselbedarf Schulte gibt. Günstigere Nachbauten passen an Schleifböcke mit 150 und 200 mm Scheiben. Nassschleifer arbeiten meist mit einer 12-mm-Universalstange, an die verschiedene Halter gesetzt werden.

Freihand schleifen

Freihand geht, wenn du die Fase sauber auf die Scheibe legst, das Eisen auf der Werkzeugauflage abstützt und mit wenig Druck in einem Zug über die Scheibe führst. Bei Röhren mit geradem Schliff drehst du das Eisen dabei um seine Achse. Für den Fingernagelschliff an einer Schalenröhre brauchst du dagegen eine Kombination aus Drehen und Schwenken, die ohne Vorrichtung viel Übung kostet.

Abziehen und Honen

Nach dem Schleifen bleibt ein feiner Grat an der Schneide. Bei Röhren und Meißeln nimmst du ihn ab, beim Schaber lässt du ihn stehen, denn er schneidet damit. Zum Abziehen gibt es drei Wege:

Hartmetall wird nicht geschliffen

Hartmetall-Eisen tragen eine Wendeplatte, die mit einer Schraube befestigt ist. Wird die Kante stumpf, lockerst du die Schraube, drehst die Platte ein Stück weiter und ziehst sie wieder fest. Eine quadratische Platte hat vier Kanten, eine runde lässt sich viele Male versetzen. Ist alles stumpf, kommt eine neue Platte drauf. Am normalen Schleifbock richtest du bei Hartmetall nichts aus. Mehr zu diesen Eisen unter Drechseleisen-Set.

Maschinen zum Schärfen

Welche Eisen überhaupt geschliffen werden müssen, steht unter Drechseleisen.

Häufige Fragen

Welcher Winkel für die Schruppröhre?

Etwa 45 Grad sind ein guter Ausgangspunkt, brauchbar sind 40 bis 60 Grad. Flache kontinentale Schruppröhren werden eher um 40 Grad geschliffen.

Welcher Winkel für die Schalenröhre?

Meist 45 bis 60 Grad mit Fingernagelschliff. Für tiefe Schalen wird oft steiler geschliffen, damit die Fase am Boden noch aufliegt.

Kann ich Drechseleisen mit einem normalen Schleifbock schärfen?

Ja. Ein normaler Schleifbock mit rund 3.000 U/min schärft HSS-Eisen zuverlässig, wenn du mit wenig Druck arbeitest. Besser sind langsamer laufende Geräte und Edelkorund- oder CBN-Scheiben statt der grauen Standardscheiben.

Wie oft muss man Drechseleisen schärfen?

So oft, wie sie nachlassen. Bei hartem oder schmutzigem Holz kann das alle paar Minuten sein. Ein Zeichen: Statt Spänen kommt Staub, und du musst stärker drücken.

Muss man Hartmetall-Drechseleisen schleifen?

Nein. Die Wendeplatte wird gedreht, sobald eine Kante stumpf ist, und am Ende ersetzt.